Die lern-methodische Besonderheit eines EX-IN Kurses lautet verkürzt: ICH-DU-WIR-Methode: Vom Ich-Wissen zum Wir-Wissen. Damit wird ein Prozess beschrieben, der vom individuellen zum kollektiven Erfahrungswissen führt. Die Differenzierung von drei Reflexionsebenen ist dabei entscheidend: Ich, Du, Wir.

Auf der vorangestellten Ich-Ebene werden regelmäßig Selbstreflexionsschleifen eingebaut, bei denen Kursteilnehmende ihre eigenen Erfahrungen mit theoretischen Impulsen verbinden. Im Nachspüren lernen sie eine eigene Sprache für schwer zu fassende Phänomene zu finden.

Auf der Du-Ebene geht es darum, sich einem Gegenüber zu öffnen und im Dialog auszuloten, was geteilt werden muss, um verstanden zu werden. Gleichzeitig hört der andere zu und stellt Fragen, um verstehen zu können. Anhand dieser Rückmeldungen ist lernbar, welche Informationen notwendig sind, um Verständnis zu schaffen.

Es wird deutlich, was gemeinsam und was unterschiedlich erlebt worden ist.

Dazu ein Übungsbeispiel:
Frage:
Was war für dich empowermentfördernd?
ICH: „Die Pflege war sehr unterstützend, hat mich ermutigt und immer wieder nachgefragt. Das fand ich hilfreich.“
DU: „Ok, ich habe verstanden, dass die Pflege so mit dir im Kontakt war, dass du selbst aktiv wurdest.
Bei mir war die Pflege kaum sichtbar, hat nichts geblickt, war nur genervt, kompliziert und langsam, was mich wiederum so ärgerte, dass ich dachte, dann mach ich es eben selbst.“
WIR: Das Verhalten der Pflege hatte Einfluss darauf, ob wir uns trauten selbst wirksam zu werden.

Auf der Wir-Ebene sammeln und strukturieren die Kursteilnehmenden in Kleingruppenarbeiten die Erfahrungen und sammeln das „Gemeinsam Verstandene“.
Durch die Präsentationsrunden wird dies aus den Kleingruppen zusammen geführt.

Die EX-IN Methode zielt auf Diversität und Pluralismus getreu dem Motto: Let‘ s agree to differ. (Übersetzt: Seien wir uns einig, dass wir unterschiedlicher Meinung sind).

Nicht alles gemeinsam Erlebte wurde oder wird von allen gleich interpretiert. Als WIR-Wissen wird das gemeinsam Verstandene beschrieben, das von allen Kursteilnehmenden gleiches Erleben benennt.

Es gibt kein Richtig und kein Falsch.
Die Kursteilnehmenden geraten im Verlauf dieser emotionalen und emotionalisierenden Lehr- und Lernform nicht selten in inter- und intrapersonale Erregungs- und Spannungszustände. Überwiegend wird dies positiv erlebt, weil damit eine Horizonterweiterung und die Fähigkeit zum Perspektivwechsel einhergehen. Die gruppendynamische Fokussierung auf ein übergeordnetes gesellschaftliches Ziel, nämlich Inklusion, funktioniert schließlich als Motor für markante Transformationsprozesse im Sinne von Bewusstseinsbildung.